Vespa-Stories: Umbria in Vespa
Von Antonio Iacovazzo
Claudia Acquah ist eine leidenschaftliche Vespa-Fahrerin. Sie führt professionelle Vespatouren in Umbrien durch.
Claudia, woher hast du diese grosse Leidenschaft für die Vespa?
Mit
15 durfte ich endlich meine selbst ersparte Velosolex fahren, die ich
schon drei Monate vor meinem Geburtstag in grosser Erwartung neben
meinem Bett geparkt hatte. Zur Erklärung für die jüngeren Leser: die
Velosolex ist ein französisches Mofa, das von 1946 bis 1988 hergestellt
wurde. Der Clou war, dass der Motor auf dem Vorderrad auflag und bei
Bedarf weggeklappt werden konnte, sodass man damit auch Fahrrad fahren
konnte. Vielleicht war mir das auf die Dauer doch zu langsam - mit 25
km pro Stunde kann man die Solex wohl als wirkliches „Slowmobil“
bezeichnen - und mit 18 hatte ich es dann richtig eilig, den
Motorradführerschein zu machen. Wegen Studium, Kind und Arbeit bin ich
allerdings sehr lange nicht zum Motorradfahren gekommen.. Als ich 1994
nach Italien zog, beschloss ich zunächst möglichst viele Wege mit dem
Fahrrad zurückzulegen. Durch die hügelige Landschaft wurde das Fahrrad
aber recht bald durch ein Moped (eine „Sì“ von Piaggio) und dann durch
meine erste Vespa ersetzt. Diese Entscheidung habe ich nie bereut, denn
so sind viele meiner Wege zum Arbeitsplatz zu reinen Vergnügungsfahrten
geworden! Auf der Vespa fühlte ich mich von Anfang an frei und
glücklich, und seitdem möchte ich dieses Gefühl nicht mehr missen!
..Und für Umbrien?
Auch
das ist eine lange Geschichte. Schon 1984, als ich in Perugia einen
Kurs an der Ausländeruni absolvierte, fühlte ich mich hier irgendwie
„zuhause“. Die Landschaft spiegelte das Lieblingsmotiv meiner als Kind
gemalten Bilder von grünen Hügellandschaften wider, die italienische
Lebensart war mir spontan sehr nah. Nach 10 Jahren zog ich schliesslich
mit meinem damals 9-jährigen Sohn ganz nach Umbrien und jetzt bin ich
wirklich hier zuhause.
Deine Homepage heisst www.umbriainvespa.com. Was bietest du genau an und für welches Publikum?
Meine Kunden können mit meinen Vespas die wunderschöne, aber recht hügelige Region Umbrien auf neue Art ERFAHREN:
an
der frischen Luft, aber ohne dabei zu schwitzen und sich zu
abzustrampeln wie auf dem Fahrrad. Das italienische Kultfahrzeug
entlockt der älteren Generation bei ihrem Anblick stets ein Lächeln und
lässt sie in alte Erinnerungen fallen, wobei die moderne Version der
Vespa in ihnen besonders grosse Neugierde und Interesse weckt.
Meine
Kunden können die Vespas direkt bei mir in Agello abholen oder sie sich
zu ihrem Hotel bringen lassen. Sie können Umbrien ganz allein erkunden,
wobei ich ihnen dann natürlich gerne Tipps und Kartenmaterial mitgebe.
Ich biete aber auch Tagestouren an, bei denen wir auf idyllischen
Nebenstrassen zu schönen, oft weniger bekannten Orten fahren. Dabei
essen wir gemeinsam in einfachen Dorfrestaurants zu Mittag und halten
unterwegs vielleicht auf einem Weingut, bei einem Olivenölproduzenten
oder besuchen ein kleines Museum. Die Touren können auch für
geschlossene Gruppen oder Incentivereisen gebucht werden. Gerne werden
die Vespas auch für Hochzeiten gemietet, bei denen sie den Fotografen
ein ausgefallenes Motiv bieten und für die Paare eine originelle
Alternative zur üblichen Luxuslimousine sind.
Was muss man in dieser Region unbedingt sehen/erleben?
Man
muss den guten Wein trinken und das hochwertige Olivenöl probieren, die
Langsamkeit erleben und die Ruhe in sich spüren, die vielen Grüntöne
Umbriens geniessen und sich der Lebenskunst hingeben. Nicht zufällig
wirbt die Region seit Neuestem nicht nur mit dem Slogan des „cuore
verde d’Italia“ sondern verstärkt auch mit der „arte di vivere“. Doch
Umbrien hat ausser dem Lebensstil und der grünen Natur, der guten Küche
und dem ausgezeichneten Wein, der Tradition und dem Handwerk auch jede
Menge Kunst und Ausflüge in die Geschichte zu bieten. In der Region
kann man auf den Spuren der Römer und Etrusker wandeln und sich auf der
Piazza eines der vielen typischen, noch intakten „centri storici“ bei
einer Tasse Capuccino das Leben im Mittelalter vorstellen.
Wie sieht eine klassische Woche "Umbriainvespa" in etwa aus?
Man
kann ganz Umbrien per Vespa entdecken, selbst wenn man jeden Tag wieder
an den gleichen Standort zurückfährt. Die Vespa 125 LX ist ideal um am
Tag bequem einen Radius von bis zu 150 km abzufahren. Gleichzeitig lädt
sie dazu ein die Region langsamer und mit Genuss zu erfahren und im
Augenblick und an schönen Orten zu verweilen.
Welcher Aktivität gehst du nach wenn du nicht in Umbrien weilst?
Bis
vor kurzem war mein Leben zwischen Sizilien und Umbrien aufgeteilt, ich
bin also von einer wunderbaren Region in die nächste gekommen. – auch
heute zieht es mich noch oft nach Sizilien, aber insgesamt bleibt nicht
mehr viel Zeit für Besuche in der Ferne und wenn ich dann doch mal ganz
kurz im „Ausland“ bin, dann nutze ich das meist, um gleichzeitig meine
Freunde und Verwandten zu besuchen!
Worauf würdest du nie verzichten wollen?
Jetzt
müsste ich wohl sagen „ auf meine Vespa“, aber ich glaube, dass man nie
von irgendetwas oder irgendwem abhängig sein sollte.
Was möchtest du in deinem Leben noch unbedingt sehen/erleben/machen?
Ich
möchte mich irgendwann einmal langweilen können – vielleicht nur einen
Tag lang, aber ein einziges Mal erleben wie es ist, nicht zu wissen,
was ich tun soll!
Claudia, welches ist dein Bezug zur Italianità?
Ich
bin mit Pizza und Spaghetti gross geworden – wie so viele Deutsche! In
Italien fühle ich mich zuhause und glaube oft, dass ich in Deutschland
nicht mehr klarkäme. Aber wenn ich dann in Deutschland bin, fühle ich
mich auch dort wieder schnell zuhause. Sicher werde ich dieses Gefühl
wohl nie mehr loswerden, mich in zwei Ländern zuhause zu fühlen und
dabei immer etwas Sehnsucht nach dem anderen Land zu haben!
Die
italienischen „Klassiker“ gefallen natürlich auch mir, wie gesagt, z.B.
Pizza, Spaghetti, Eis und Cappuccino, der Fiat 500 und natürlich die
Vespa!!!. Aber wenn man hier länger lebt lernt man natürlich auch die
anderen Seiten von „Bella Italia“ kennen – trotzdem: in Italien bin ich
jetzt zuhause!
Juni 2010
Lucio Quaranta, Vespa-Weekend Gewinner.
Was bedeutet für dich Vespa?
Vespa weckt in mir schöne, heisse und leidenschaftliche Erinnerungen
auf. Als ich 20 Jahre alt war hatte ich eine Vespa PX 125-er mit
eingebaute Radio und Lautsprechern. Es liefen immer damalige Sommerhits
aber vor allem fuhren wir zu zweit in den Sommerferien nach Italien...
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