05. Februar 2012
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Francesco Illy: "Kaffee ist unsere Leidenschaft"

Herr Illy, welches Verhältnis haben sie zu der Schweiz?
Ich lebe seit 31 Jahren hier und bin damit das lebende Beispiel einer erfolgreichen Integration.

Wie hat sich die Beziehung des Schweizerkunden zum Kaffe in den letzten Jahren entwickelt?
Anfänglich, im Jahr 1979, fiel mir auf, dass man hier in der Schweiz nur „lange Kaffees“ trank, die einen eigenartig holzigen Geschmack hatten. Ich muss zugeben, dass es heute nicht mehr so ist. Man kann auch hier gute Espressi geniessen, die nicht allzu dünn sind. Mit der Zeit haben die Schweizer gelernt, besseren Kaffee zu geniessen, der jedoch teilweise immer noch zu wässerig bleibt. Man glaubt, dass dünne Kaffees leichter sind. Das ist absolut falsch, denn je kleiner  der Kaffee, desto weniger Koffein enthält er, weil sich auch die Menge an Pulver  reduziert.

Warum ist Ihr Kaffee wirklich speziell? 
Das ist schon beinahe Geschichte. Im Jahr 1933 hat mein Grossvater einen speziellen Druckbehälter für den Kaffee erfunden, in dem sich anstelle von Luft Stickstoff  befindet. Diese Methode  schont und konserviert den Geschmack des Kaffees  für längere Zeit. Wir sind sehr bemüht, immer die besten Kaffeesorten auszuwählen, denn diese Druckbehälter konservieren eben nicht nur gutes, sondern auch das minderwertige  Aroma  eines schlechteren Kaffees! Illy hat in seinem Bestreben nach Qualität immer hohe Disziplin bewiesen. So hat mein Vater in den siebziger Jahren eine Kaffee-Sortiermaschine erfunden. Diese ermöglicht die Kontrolle  der einzelnen Kaffeebohnen und die automatische Eliminierung der ungeeigneten. Durch diese automatisierte Auslese sind wir in der Lage, einen Kaffee von konstant hohem Niveau zu garantieren.

Weshalb heist  Illycaffè in der Schweiz „Amici Caffè“?
Das ist einfach zu erklären. Im Jahr 1967 hat mein Vater seinen Aktienanteil der Illycaffè Thalwil verkauft, zu der eine eigene Produktion mit eigenem Namen gehörte. Dafür bekam er die Mehrheitsbeteiligung der Illycaffèin Triest. Dieses Ereignis bleibt noch heute in Erinnerung als Tag, an dem die Illycaffè Triest entstand, denn von diesem Moment an war mein Vater befugt, sämtliche Entscheidungen autonom treffen.
Die Marke wurde später wieder verkauft. Als ich im Jahr 1979 in die Schweiz kam, gelang mir die Fusion mit den  neuen Besitzern, und so entstand „Amici Caffè“.
Einerseits wollte ich die Bedeutung des Kaffees hervorheben, denn wie der Wein, symbolisiert auch er eine Form von Geselligkeit und Sozialisierung. Anderseits wollte ich  die Arbeit meines Vaters würdigen,  dessen Name amici del buon caffè (Freunde des guten Kaffee) lautete. Das Unternehmen produzierte  Kaffeemaschinen und  existiert heute nicht mehr, dafür blieben die Freunde des guten Kaffees! 

Welches ist Ihr Erfolgsgeheimnis?
Dieses Prädikat entspricht mir nicht sonderlich. Ich glaube jedoch, dass eine erfolgreiche Aktivität von  zwei Elementen abhängt.
Einerseits  ist das Feingefühl für den Kunden wichtig. Man muss seine Wünsche und Erwartungen erspüren. Soweit nichts Geheimnisvolles, das lernt  man auch in jedem Marketingkurs. 
Anderseits ist die Leidenschaft für das eigene Produkt unabdingbar. Dazu kommt die Kultur des Handwerks:  Merkmale und Fertigkeiten, die den Unterschied bilden. 
Das lernt man in keinem Marketingkurs. Meine Erfolgsgeheimnisse sind Leidenschaft, Kultur und Feingefühl. 

Die Illy Gruppe benutzt verschiedene Vertriebswegen. Welcher ist der Erfolgreichste? In was werdet Ihr in Zukunft investieren?
Sowohl für den Vertrieb als auch für die Kommunikation setzen wir sehr auf den E-Commerce, welcher auch ökologischer und speditiver als Papier ist.
Obwohl uns das Internet immer überrascht hat, denke ich, dass es durch eine bessere Technologie in Zukunft auch homogener verteilt sein wird.  Das Publikum wird aus demografischen Gründen laufend erneuert und für den Vetrieb  wird nur ein einfacher Mouseclick genügen. E-commerce bedeutet auch, ein wichtiges Schaufenster für die anderen Marken und Produkte der Illy Gruppe zu besitzen: die Firma Mastrojanni und der Podere Le Riti für den Wein,  Domori für die  Schokolade, Damman Frères für den Tee und Agrimontana für die Marmelade.

Welche sind Ihre Hobbies?
Mein grösstes und wichtigstes Hobby ist mein Job. Da er sehr intensiv und vielfältig ist, amüsiere ich mich beim Arbeiten sehr. Nebst der Erstellung von Espressomaschinen, die eine reine technische Tätigkeit ist, bin ich auch Winzer und kümmere mich persönlich um die Produktion meines Weines. Dazu kommt noch meine wichtige Rolle als Verkäufer für Amici Caffè.
Ich stehe für diese drei Produkte mit meinem Namen.  Ich bin Vizepräsident der Illy-Holding und Präsident der Gesellschaft Mastroianni (Brunelloproduktion). Ich habe aber auch andere Hobbies:  Kunstfotografie, Ski- Langlauf, Segeln, Fliegen mit Helikoptern und Flugzeugen. In letzter Zeit habe ich auch sehr viel Spass beim Gestalten von Websites entwickelt, wie zum Beispiel jene für meine Kaffeemaschine Good News oder die www.gnchannel.tv

Auf was möchten Sie nie verzichten?
Auf meine Freiheit und auf meine Zigarre, besonders abends. Natürlich könnte ich nie auf die Faszination der Frauen verzichten!

Was würden Sie mit dem legendären Zauberstab ändern?
Ich würde den Bekanntheitsgrad meiner Produkte steigern, vor allem meiner Good New  Espressomaschine und meines Weines.

Herr Illy, was bedeutet für Sie Italianità?
Ich werde Ihnen auf eine andere Weise antworten, indem ich Ihnen sage, was ich daraus gewonnen  habe, als Italiener in der Schweiz zu sein. Ich habe eine gute Symbiose der beiden Realitäten kreiert.  Die Italianità bedeutet Stil, Geschmack, Eleganz, Ästhetik, Unverschämtheit, Kreativität und Spontaneität, alle Elemente, die eine enge Verbindung zur Freude am Leben haben.
Die Schweiz ist Disziplin, Aufmerksamkeit, Sensibilität, Vertiefung und Zähigkeit. Das sind alles Aspekte, welche manchmal etwas negativ beladen sind, sich aber sehr positiv zeigen. Ich bin ein Italo-Schweizer, der  beides verbindet und damit Innovatives geschaffen hat, zum Beispiel die Collection Espressotassen oder die Good News Design Espressomaschinen.

Interview Antonio Iacovazzo, April 2010

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