05. Februar 2012
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Reisen: Eine spannende Geschichte

Von Marino Mannarini und Katja Büllmann
 
Zufall oder nicht, dass wir uns kennengelernt haben, Katja und ich, in meiner Heimatstadt Lecce, die ich wie meine Westentasche kenne? Wir mussten uns frueher oder spaeter ueber den Weg laufen, weil hier fast jeder jeden kennt. Ein Freund hat uns miteinander bekannt gemacht und wir verstanden uns auf Anhieb, nicht nur, weil wir ganz aehnliche Dinge tun und eine aehnliche Sicht auf das Leben haben. Zudem entdecken wir immer neue Gemeinsamkeiten. Eine sehr spannende Geschichte.
 
Ich bin Sueditaliener, wenn auch kein typischer. Mich reizen Einfluesse von aussen, ich reise gerne, wuerde mich als kosmopolitischen, sehr interessierten Menschen bezeichnen. Lecce und seine rund 100.000 Einwohner wird mir oft ein bisschen eng, das spuere ich regelmaessig ein-, zwei-, dreimal im Jahr ganz intensiv. Dann mache ich mich auf und gehe auf Fotoexkursion. Nach New York, Berlin, Prag, Hauptsache raus. Durch eine fremde Stadt spazieren, mich treiben lassen durch Fussgaengerzonen, Geschaeftsstrassen, Parks und Cafes,  die Kamera immer im Anschlag fuer eine spontan faszinierende Szene, macht mich gluecklich und liefert mir Energie, Inspiration und Schaffenskraft fuer die nächsten Wochen und Monate.
 
Fotografie ist mein Leben. Sie ist es geworden, ich habe schon alles moegliche gemacht, auf dem Weg. Meine Leidenschaft war immer das Fotografieren, heute, da beides zusammenfaellt, Hobby und Arbeit, da auch mal ein reiner Geldjob darunter ist, den man abreisst wie andere einen ganz normalen Tag im Buero, macht es nicht weniger interessant.
 
Kurz zu meinem Background: Ich habe das klassische Gymnasium besucht, an der Mailaender Bocconi Universitaet Wirtschaft studiert und bin dann nach Lecce zurueckgekehrt, um ins Familienbusiness einzusteigen: Handel mit Maennermode und Porzellan.  Dazu kam irgendwann eine eigene Buchhandlung im Centro Storico, die ich mit einem Freund eroeffnete, damals die erste ihrer Art in Lecce: modern und fortschrittlich, die Idee machte auch ueber apulische Grenzen hinaus Schule, was mich stolz macht, auch rueckblickend noch.
 
Doch bin ich weiter auf der Suche geblieben, nach einem Job der mich wirklich ausfuellt, meinen Hunger auf Neues stillt und meine Neugier befriedigt. Als Skorpion faellt es mir schwer, mich zurueckzulehnen und auf Lorbeeren auszuruhen. Ich habe weiterfotografiert, nebenbei, allerdings mit wachsender Begeisterung und ersten, nenneswerten Erfolgen.  Vor vier Jahren habe ich schliesslich alles hingeschmissen um nur noch Fotograf zu sein. Irgendwann geht es nicht mehr parallel, man verzettelt sich sonst. 
 
Meine Kamera trage ich immer bei mir, jeder Moment kann ein Schluesselmoment sein, davon bin ich ueberzeugt. Vorbilder? Jodice, Scianna, Basilico, Newton, Avedon, Ritts.
Fotografieren im Salento ist aus einem ganz simplen Grund anders als anderswo: Das Licht ist nirgends faszinierender, intensiver, ungewoehnlicher als hier. Es raubt dir den Atem, auch mir, immer noch und immer wieder aufs Neue,es ist das erste, was du morgens siehst und as letzte, eh du die Augen schliesst. Das Licht ist unverzichtbare Basis meiner Arbeit, es ist so einzigartig wie der charakteristische helle Stuffstein oder die adriatische Kueste. Einfach unvergleichlich schoen.
 
Mir immer wieder bewusst zu machen, wie einfach dieser Landstrich doch ist und dabei so unglaublich reizvoll und atemberaubend, muesste mich regelmaessig vor Ehrfurcht erstarren lassen. Stattdessen geniesse ich, dass ich mein Leben genau darauf ausgerichtet habe. Dass ich persoenlich Tag fuer Tag geniessen und fuer andere festhalten kann, wie schoen diese Erde ist. Das ist ein grosser Teil der Befriedigung, die ich aus menen Beruf ziehe.
 
Und wenn ich meine Fotoschueler oder Touristengruppen auf Fotoexkursion durchs Salento begleite, bin ich wirklich stolz darauf, ein echter Leccese zu sein.

Juli 2010

Italienische Geschichten

Katja Büllmann, 40, 

Reise-Journalistin und Buchautorin ("Mit einer Reise fing alles an", Malik/Piper 2010), lebte in Sydney und München, ehe sie Apulien entdeckte, wo sie zwischen Adriaküste und Ionischem Meer unterhaltsame, skurrile und spannende Geschichten über Land und Leute sammelt. Begleiten Sie unsere Autorin auf ihren Streifzügen durch ihre neue Wahlheimat in und um Lecce im Salento, lernen Sie mit ihr die Menschen des Südens besser kennen und genießen Sie zweimal monatlich eine Dosis Italien, von dort, wo es am ursprünglichsten ist. Warum, erfahren Sie ab sofort bei Go Italy.

Kontakt, Infos und Text- bzw Guide-Anfragen unter info@katja-buellmann.de 
oder http://katjabuellmann.wordpress.com