Go-italy im Gespräch mit RA Dr. Lucien W. Valloni
Lucien Valloni ist ein äusserst erfahrener Prozessrechtsanwalt und ist Partner der Wirtschaftsanwaltskanzlei Froriep Renggli, welche eine der zehn grössten Wirtschaftsanwaltskanzleien der Schweiz ist. Er hat sich insbesondere im Bereich Sportrechts einen internationalen Namen gemacht. Er berät und vertritt nationale und internationale Klienten in zahlreichen High-Profile Fällen im Sportrecht und in allen Bereichen des Wirtschafts-, Arbeits-, und internationalem Vollstreckungsrechts. Dabei tritt er vor den verschiedenen Sportschiedsgerichtsinstanzen, wie etwa vor dem Court of Arbitration for Sport (CAS) und vor allen ordentlichen Gerichtsinstanzen mit Einschluss des Schweizer Bundesgerichts auf. Lucien Valloni ist Vizepräsident der International Sport Lawyers Association (ISLA), Präsident der Profifussballspielervereinigung Swiss Association of Football Players (SAFP), der Profieishockeyspielervereinigung Swiss Association of Icehockey Players (SAIP) sowie der Eishockeyweltspielervereinigung World Association of Icehockey Players Union (WAIPU). Er ist u.a. Mitglied der Associazione Internazionale Giuristi di Lingua Italiana (A.I.G.L.I.) sowie der Camera di Commercio Italiana per la Svizzera (CCIS).
Herr Valloni Sie üben einen besonderen Beruf aus. Worauf sind Sie spezialisiert?
Ich bin Rechtsanwalt und ich habe mich im Bereich der Prozessführung und im Sportrecht spezialisiert. Den Sport, insbesondere die Leidenschaft für den Fussball und das Eishockey mit dem Beruf zu verbinden, fasziniert mich. Das Prozessieren hat mich schon immer fasziniert und ich habe denn auch im Kanton Zürich auf allen Gerichtsstufen (Bezirksgericht, Obergericht und Kassationsgericht) gearbeitet. Das ist auch der Grund, weshalb ich das Thema meiner Doktorarbeit aus dem internationalen Zivilprozessrecht gewählt habe.
Welcher war der kurioseste oder spannendste Fall den Sie bearbeitet haben?
Der Fall eines Klienten, der seinen Airbus A 340-600 (das längste Flugzeug der Welt) mit einer VIP-Ausstattung ausbauen lässt. Es sind dann Streitigkeiten zwischen den Vertragsparteien entstanden und es mussten innert sehr kurzer Zeit zahlreiche vorsorgliche gerichtliche Verfügung zum Schutz des Flugzeuges und der Ansprüche der Klientschaft erwirkt werden. Das war äusserst zeitintensiv und anspruchsvoll aber auch sehr spannend und war immer auch mit interessanten Reisen ins Ausland, insbesondere den Arabischen Raum, verbunden.
Daneben sind aber auch Dopingfälle äusserst interessant. Neben weltweit bekannten Tyler Hamilton und Floyd Landis habe ich verschiedene andere Sportler vertreten. Mit Bezug auf die letzten Olympischen Sommerspiele von Peking vertrat ich die Interessen von Churandy Martina aus den Niederländischen Antillen. Er wurde im diesem schnellsten je gelaufenen 200 Meter Rennen zweiter hinter Usain Bolt, wurde dann aber aufgrund eines Protestes der Amerikaner disqualifiziert. Wir versuchten die Disqualifikation von Martina Churanday an den Olympischen Spielen in Peking zu Fall zu bringen. Zurzeit vertrete ich die Interessen von Claudia Pechstein in einer Dopingangelegenheit in einem Verfahren vor dem Schweizer Bundesgericht. Wir haben den Entscheid des Sportschiedsgerichtes CAS mit Beschwerde beim Bundesgericht angefochten und wir konnten beim Schweizer Bundesgericht letzte Woche die Starterlaubnis für das Weltcup Rennen in Salt Lake City erwirken, um ihr die Chance für eine Olympiaqualifikation zu ermöglichen.
Ferner vertrete ich zahlreiche Fussballer und Trainer in verschiedenen Bereichen. So habe ich etwa den Trainer der spanischen Nationalmannschaft Vicente Del Bosque vor dem Bundsgericht in einem Streit mit seinem ehemaligen Klub Besiktas Istanbul erfolgreich vertreten.
Für Schweizer Fussballer habe ich vor Bundesgericht das Recht erstritten, dass die Profifussballer in einer ersten Phase bei Arbeitslosigkeit sich auf die Such nach einem neuen Klub beschränken dürfen und nicht sofort einen Berufswechsel vornehmen müssen.
Sie sind u.A. Präsident der Swiss Association of Football Players (SAFP). Welchen Zweck verfolgt diese Vereinigung?
SAFP (www.safp.ch) ist die Vereinigung der Profifussballer und ist die Stimme der Profispieler. SAFP ist Mitglied der Weltspielervereinigung FIFPro. SAFP hat am 11. November 2009 mit der Swiss Football League SFL eine Grundsatzvereinbarung abgeschlossen in der die zukünftige Zusammenarbeit geregelt wird. Das ist ein historischer Schritt für alle Profifussballer in der Schweiz. Damit können wir die Stimme der Spieler im sozialen Dialog mit der SFL einbringen. Das ist einmalig im Schweizer Sport und ich bin überzeugt, dass wir im Eishockey sehr bald eine ähnliche Vereinbarung werden abschliessen können.
Wann wurde die SAFP gegründet und wie viele Mitglieder zählt sie heute?
SAFP wurde im Dezember 2001 gegründet und zählt heute ca. 480 Mitglieder aus der Swiss Football League und der Challenge League.
Kann man auch als talentierter Junior in der SAFP beitreten?
Wir haben kein Mindestalter festgelegt. Die Idee ist aber, dass wir uns als die Stimme der Profifussballer verstehen. Spieler also, welche vor dem Schritt zum Fussballprofi stehen, steht SAFP selbstverständlich offen. Genau diese Spieler brauchen eine neutrale Beratung in allen Bereichen. Das können wir Ihnen bieten.
Organisieren Sie auch Events mit der SAFP?
Ja, SAFP organisiert verschiedene Aktivitäten für die Mitglieder. So führen wir jedes Jahr den Swiss Golden Player Award durch (www.goldenplayer.ch). Das ist die konsequente symbolische Umsetzung des Ziels der Vereinigung, nämlich den Spielern eine Stimme zu geben. Bei dieser Wahl wählen die Spieler in der Schweiz die Besten aus ihren eigenen Reihen. Wir prämieren sodann jede Position, nicht nur den Allerbesten. Diesen Event organisieren wir zusammen mit der Eishockeyspielervereingung SAIP (www.saip.ch), wo die Spieler ebenfalls die Besten aus ihren Reihen wählen.
Für die Weltspielervereinigung führen wir in der Schweiz die Wahl der FIFPro World XI durch. Dieses Jahr arbeitete FIFPro mit der FIFA zusammen und die FIFPro World XI Preisverleihung wurde am 21. Dezember 2009 hier in Zürich im Kongresshaus durchgeführt.
Zudem organisiert SAFP jedes Jahr ein dreiwöchiges Trainingscamp für vertragslose Spieler. Wir nehmen sodann jedes Jahr auch am FIFPro Turnier der vertragslosen Spieler teil, wo wir mit unserer Mannschaft gegen die Mannschaft der Vertragslosen aus Frankreich, Holland, Italien, Slovenien, Portugal ect. antreten. Bei diesem Turnier sind viele Scouts vor Ort und alle Spieler können verpflichtet werden, weil allesamt vertragslos sind. Spieler aus der Schweiz konnten sich so in den vergangenen Jahren bereits Engagements im Ausland erspielen.
SAFP hat sodann zusammen mit SAIP im 2007 die SHOW RESPECT Kampagne (www.showrespect.ch) lanciert. Dabei wird die Vorbildfunktion der Profispieler für Kampagne für mehr Respekt genutzt. Alle Profispieler haben sodann einen Appell gegen Gewalt in und um die Stadien und für mehr Respekt unterzeichnet und die Spieler der Super League und Challenge League haben
Wir haben auch einen eigenen Song für diese Kampagne aufgenommen. Wenn sie das Respect Kampagnen-Logo der UEFA genauer betrachten und mit unserem Logo vergleichen werden sie feststellen, dass sich die UEFA hier unser Signet mehr oder weniger kopiert hat. Das zeigt nur, dass wir auf dem richtigen Weg sind, nur fehlen uns natürlich die finanziellen Mittel, um der Kampagne die gewünschte Publizität zu verleihen. Wir haben auch entschieden, jedes Jahr ausgewählte Juniorenteams mit Shirts, welche das SHOW RESPECT Logo tragen auszustatten, weil wir überzeugt sind, dass die Vorbildwirkung der Profis bei den Junioren ihre Früchte trägt.
SAFP ist auch Partner des Benefiz-Hallenturniers Futsalmasters (www.futsalmaster.ch). Mit diesem Turnier unterstützen wir die Kinder Spitex Kanton Zürich Organisation, welche sich für eine 24 Stunden Betreuung von pflegebedürftigen, schwerkranken, sterbenden Kindern einsetzt.
Haben Sie selber mal oder spielen Sie noch Fussball?
Ich selber habe auch Fussball gespielt. Die gesamte Juniorenzeit bis hin zur Nationalliga C habe ich beim Grasshoppers Club Zürich verbracht. Wir sind verschiedene Male Schweizer Meister geworden und wir hatten eine sehr starke Truppe bei der u.a. Marco Schällibaum, Martin Rueda, Martin Brunner ect. mitspielten. Zurzeit spiele ich noch vereinzelt bei den Senioren des Grasshoppers Club Zürich.
Werden Sie nächsten Sommer nach Südafrika reisen, an die WM?
Das ist noch nicht entschieden aber in Planung.
Und für welche Mannschaft schlägt Ihr Herz?
Als Präsident der Spielervereinigung bin ich natürlich nicht Fan einer bestimmten Mannschaft. Nachdem ich aber in Zürich geboren wurde liegen mir die beiden Zürcher Vereine natürlich emotional mehr am Herzen.In Italien gilt meine Unterstützung der AS Roma, herrührend von der Herkunft meines Vaters.
Wer wird Weltmeister 2010 und weshalb?
Ich bin der Ansicht, dass zum gegenwärtigen Zeitpunkt Spanien den besten Fussball spielt. Ich kann mir deshalb gut vorstellen, dass nach dem Europameistertitel nun die Krönung folgt, weil viele Spieler enorme Erfahrungen in Topligen gemacht und nun auch gelernt haben, wie man Turniere gewinnt, was bislang ja nicht die Stärke der Spanier war.
Herr Valloni, welche Beziehung haben Sie zu Italien und Italianità?
Ich bin Italiener, liebe die italienische Küche, den italienischen Wein und den Sommer am Meer in Italien.
Ihr Lieblingsdestination in Italien und weshalb?
Rom ist meine Lieblingsdestination. Dort habe ich auch die ersten Ferien mit meiner Frau verbracht und mein Vater hat ein Teil seiner Wurzeln in dieser Stadt. Ein Spaziergang durch die Gartenanlage der Villa Borghese kann ich nur empfehlen. Ein ruhiger Ort in dieser sonst relativ chaotischen Stadt.
Worauf würden Sie nie verzichten wollen?
Meine Familie.
Was möchten Sie in Ihrem Leben unbedingt noch machen, sehen oder erleben?
Eine Reise an der Küste Italiens entlang mit dem Cabriolet.
Was bedeutet für Sie Italianità und wo finden Sie/erleben Sie Italianità in Zürich?
Nun, eine Ausfahrt mit meiner weissen Vespa Sprint aus dem Jahre 1965 lässt jedes Mal ein italienisches Lebensgefühl aufkommen. Wesentlicher sind aber die in der Jugend entstandenen italienischen Freundschaften, weil der Zusammenhalt unter diesen Kollegen bei jedem Treffen spürbar ist und dabei die italienischen Kultur ein wichtiger Bestandteil ist. Die Italianità wird aber auch in der Familie gelebt. Daneben findet man die Italianità in Zürich an zahlreichen Orten. Im Seefeld, wo ich arbeite, finde ich, dass die Paninoteca il Miraggio von Angela Arcuti immer wieder ein Hauch Italianità versprüht.
Besten Dank Herr Valloni!
Interview Antonio Iacovazzo, Januar 2010