05. Februar 2012
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Sport: "wir machen aus Amateuren Profifussballer"

Buongiorno, Signor Lamberti! Fussball wird von Millionen Menschen weltweit geliebt. Als Insider gehört diese Welt zu Ihrem Alltag. Welche Rolle spielt dabei Ihre Agentur, die Fairplay Agency?
Wir machen aus Amateuren Profis, wir holen den kleinen Mann mit der grossen Begabung von der Strasse und bauen ihn auf. Wir kümmern uns dabei um sämtliche vertraglichen, gesetzlichen, administrativen und bürokratischen Belange. Viele dieser Talente kommen aus dem Ausland, sehr viele aus Südamerika, wobei es Hürden wie Einreisebewilligung, Reiseorganisation, Versicherungen usw. zu überwinden gilt. Unsere Agentur unterstützt dabei den Fussballer in sämtlichen Bereichen, um ihm eine rasche und problemlose Eingewöhnung zu ermöglichen, sodass er sich vollumfänglich auf den Fussball konzentrieren kann.

Sie haben eine sogenannte Tellerwäscherkarriere gemacht. Welches Geheimnis steckt dahinter?
Als grundlegend bezeichne ich die Ernsthaftigkeit; mein Instinkt führt mich zielsicher bei meinen Entscheidungen, ihm folge ich in jedem Falle und lasse mich dabei nicht von andern beeinflussen. Und ausserdem liebe ich meine Arbeit, was mich jeden Morgen neu motiviert.

Nach welchen Kriterien wählen Sie Ihre neuen Athleten aus?

In erster Linie steht das Talent, welches für ein Weiterkommen grundlegend ist. Dazu kommen Charakter und Wesen des Kandidaten, welche förderlich entfaltet werden können. Von grosser Wichtigkeit ist auch der Körperbau, sozusagen das Werkzeug eines jeden Talentes.

Nebst der körperlichen Vorbereitung legen Sie auch viel Wert auf mentales Training. Wie beurteilen Sie den Faktor Stress in der Fussballwelt? Beobachten Sie dabei eine Zunahme?

In der Tat nimmt dies zu, weshalb meine Agentur unsere Jungs auch psychologisch vorbereitet. Zunehmender Druck kommt von der Aussenwelt, den Medien wie auch dem Club oder den Fans. Ich halte es für sehr entscheidend, dass die Jungs ein gesundes Selbstwertgefühl entwickeln können, welches sie dann auch zum Erfolg führt. Alles beginnt im Kopf und wird mit Körperschulung, Training und gesunder Ernährung, welcher ich hohen Wert beimesse, unterstützt.

Sie sind Italiener, leben in der Schweiz, verbringen viel Zeit in Brasilien und sind oft beruflich unterwegs. Wo fühlen Sie sich zuhause?

Natürlich fühle ich mich im wunderschönen Zürich heimisch, schade nur, dass wir hier keinen Meeresanstoss haben! Hier führe ich ein ruhiges und sicheres Leben, Brasilien ist für exponierte Leute mitunter gefährlich, was sogar dazu führen kann, dass Du Dich verstecken musst. Allerdings haben mich Italien und Brasilien als Mensch reich beschenkt und bleiben daher meine zweite Heimat.

Welche würden Sie als typische Merkmale der Italianità bezeichnen, die Sie auch im Ausland erkennen können?

Ich bin beruflich viel herumgekommen, nicht nur Südamerika, sondern auch China, Arabien und Singapur habe ich bereist. Das wohl Auffälligste ist unsere Gastronomie. Es ist weltweit möglich, ein italienisches Restaurant aufzutreiben, in dem Du Dich auf eine gute Küche und sympathische Atmosphäre verlassen kannst. Eine weiteres Kennzeichen sind unsere Mode und Design, unverkennbar überall präsent.

Wo findet man in Zürich ein bisschen Italien?
Es gibt zahlreiche Bars und italienische Restaurants, ebenso wie man an der Bahnhofstrasse wunderbare Modegeschäfte findet. Ausserdem leben hier wirklich viele Italiener, wenn ich richtig informiert bin, hält Italien den höchsten Ausländeranteil.

Ist es etwas Spezielles, in einer italienischen Mannschaft zu spielen? Weshalb?
Der italienische Fussball zählt bestimmt zu den vier besten der Welt, was dem Spieler sofort einen höheren Marktwert verschafft. Das italienische Spiel ist sehr körperorientiert und man arbeitet mit ausgeklügelter Taktik. Nach einer Saison in einer italienischen Mannschaft ist ein Spieler in der Lage, überall auf der Welt mitzuhalten.

Würden Sie daher bei einer Wahl zwischen italienischer und ausländischer Mannschaft mit ebenbürtigen Vertragsbedingungen zur italienischen raten?
Dabei kommt es wiederum sehr auf den Charakter und das Wesen des Spielers an. Es gibt dafür Geeignete und weniger Geeignete, so wie das für alle Länder und Mannschaften zutrifft. Um den Wert eines Spielers voll ausschöpfen zu können, muss er ins passende System und in die richtige Rolle eingefügt werden.

Sie sind seit Monaten im Mittelpunkt der Debatte um den Schweizer Profi Gokhan Inler, welcher zur Zeit bei Udinese spielt und das Interesse etlicher italienischer und ausländischer Clubs geweckt hat, sogar Inter soll sich interessiert gezeigt haben. Was ist da dran?
Vorerst wird Inler die WM bestreiten und danach werden wir weitersehen. Wie gesagt hat Inler bei Udine ausgezeichnet gespielt und wir analysieren die vorliegenden Angebote im Hinblick auf die Resultate der WM. Natürlich ist Inler ein höchst interessanter Spieler und daher das grosse Interesse selbstverständlich.

Gohkan Inler ist Ihre Entdeckung, freut Sie dieser Erfolg?
Klar freue ich mich darüber. Ich habe ihn seinerzeit bei einem Spiel Zürich – Schaffhausen entdeckt; der Trainer von Schaffhausen hat ihn erst in den letzten zehn Minuten aufs Feld gebracht. Er hat mich mit seinen Qualitäten sofort überzeugt und so habe ich gleich ein Angebot gemacht, welches auch angenommen wurde. Von diesem Moment an ist der Junge in jeder Hinsicht gewachsen. Beginnend bei Zürich hat er zur Nationalmannschaft gewechselt und ist jetzt via Udine auf ein Niveau aufgestiegen, wo sich viele Clubs um ihn streiten.

Die Welt des Fussballs hat zahlreiche Facetten. Welche davon schätzen Sie und welche missfällt Ihnen?

Es gefällt mir sehr, instinktiv Talente aufzuspüren, einen Jungen auf seinem Weg vom kleinen Spieler im kleinen Club mit einem Monatsgehalt von CHF 1'500 zum grossen Champion mit Spitzenverdienst zu begleiten und mitzuverfolgen, wie sich dabei sein und das Leben seiner Familie verändert. Es ist berührend, ihn dann in einem Stadion mit 70'000 Zuschauern spielen zu sehen und zu wissen, dass ich Teil des Erfolgs bin.
Was mir jedoch bei meiner Arbeit als Leitender völlig missfällt und was ich persönlich auch nicht mache,  ist der Transfer von Minderjährigen. Bei solch jungen Menschen nehmen oft und bald die psychologischen Probleme durch Heimweh nach Familie, Land und Freunden Überhand. Speziell betroffen sind davon die Brasilianer, welche in die Schweiz oder nach Deutschland kommen, da sie mit Sprache, Klima und Mentalität schwer zurechtkommen.

Was steht im Sommer bevor?
Der Sommer ist die Zeit der Transfers. Momentan stehen fünf bis sechs Top-Spieler vor einem Wechsel in andere Mannschaften. Daneben wachsen auch Jüngere in der Schweiz heran. Ich betreue alle meine Jungs eng, der Transfer für zwanzig Millionen ist für mich gleich wichtig wie jener für fünftausend.

In Kürze beginnt die WM in Südafrika. Wer ist Ihr Favorit?

In meinem Herzen tobt ein Konflikt, Gott sei Dank ist es entsprechend gross!!!  Darin finden die Schweiz, Brasilien und Italien gut Platz. Sollte Brasilien gewinnen, steht für mich durch die bisherige Zusammenarbeit und den Erfolg viel weitere Arbeit an. Über einen Sieg Italiens würde ich mich sehr freuen, jedoch ist es aus beruflicher Sicht nicht bedeutend, da ich zur Zeit keinen Spieler in der Nationalmannschaft habe.

Vielen Dank und Ihnen und Ihrem Team erfolgreiche Arbeit!

Paola Volk, Juni 2010



FPA Leitfaden

Die FPA Fairplay Agency GmbH (FPA) setzt sich aus einem Berufsteam aus den Gebieten Betriebswirtschaft, Sportrecht, Buchhaltung und Kommunikation zusammen. Hinzu kommt natürlich die enge Zusammenarbeit mit Talent-Scouts, welche in allen wichtigen Städten Brasiliens und Europa verteilt sind. Sollten in gewissen Projekten die Kompetenzen weiterer Spezialisten gefragt sein, kann die FPA auf ihr umfangreiches Netzwerk zurückgreifen.


Gut betreut

Gökhan Inler

Von Dino Lamberti betreut: Gökhan Inler.